Stromnetz stärken und dezentrale Energieversorgung ausbauen
Flörsheim steht bei der Umsetzung der kommunalen Wärmewende vor besonderen Herausforderungen. In mehreren Stadtteilen scheidet die Nutzung von Geothermie aufgrund der geologischen Gegebenheiten aus. Auch eine flächendeckende Fernwärmeversorgung ist aus städtebaulicher Sicht in weiten Teilen des Stadtgebiets nicht sinnvoll: Der bauliche Aufwand und die damit verbundenen Kosten wären unverhältnismäßig hoch.
„Kohle und Öl werden künftig als Wärmequellen nicht mehr zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sind in Flörsheim rund 70 Prozent der Heizungen gasbetrieben. Angesichts steigender Gaspreise wird der überwiegende Teil der künftig zu erneuernden Heizungsanlagen auf Wärmepumpen umgestellt werden müssen“, erklärt Frank Wolters, Stadtverordneter der GALF. „Das wird dazu führen, dass die verbleibenden Gaskunden mit immer höheren Netzkosten belastet werden. Sinkt die Kundenzahl unter eine wirtschaftliche Grenze, werden die Gasversorger ihre Netze aufgeben.“
Auch der Ausbau von Fernwärme ist aus Sicht der GALF keine realistische Alternative: „Die Anschlusskosten für Fernwärme liegen in Flörsheim um ein Vielfaches höher als die Investitionen in eine Wärmepumpe“, so der GALF-Aktive Jürgen Krichbaum. „Wenn Wärmepumpen die einzig sinnvolle Lösung sind, müssen wir jetzt konsequent die Stromnetze ertüchtigen, um die künftig deutlich höheren Lasten tragen zu können.“
Hinzu kommt die wachsende Zahl von E-Autos und damit verbundene Ladeinfrastruktur. „Auch die Elektromobilität stellt eine erhebliche zusätzliche Belastung für die Stromnetze dar“, betont Jürgen Krichbaum. „Ein reiner Netzausbau allein wird langfristig nicht ausreichen, um den steigenden Strombedarf zu decken.“
Stattdessen setzt die GALF auf eine stärkere Förderung dezentraler Energieversorgung. „Dächer, Parkflächen und andere geeignete Areale mit Potenzial für Photovoltaik müssen konsequent genutzt werden“, fordert Wolters. „Energiegenossenschaften und bürgerschaftliche Eigeninitiativen bieten große Chancen, die Versorgung vor Ort zu sichern und die Wertschöpfung in der Region zu halten.“
Moderne Technik kann zusätzlich helfen, Lastspitzen zu reduzieren. „Smarte Stromzähler ermöglichen es, Heiz- und Ladezeiten in günstigere und netzschonendere Zeitfenster zu verlagern“, so Krichbaum. „Damit lassen sich Kosten senken und die Netze entlasten.“
Abschließend fordert die GALF eine umfassende Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger: „Was dringend fehlt, ist eine solide, verständliche und verlässliche Information sowie konkrete Hilfestellung bei Anträgen und Planungen“, erklärt Krichbaum. „Nur mit transparenter Beratung und klaren Rahmenbedingungen kann die Wärmewende in Flörsheim sozial verträglich und erfolgreich gelingen.